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Konzeptionell und zielvoller - Denkmalverein Freudenstadt will im neuen Vereinsjahr mehr Impulse setzen

Konzeptionell und zielvoller - Denkmalverein Freudenstadt will im neuen Vereinsjahr mehr Impulse setzen

Der Denkmalverein Freudenstadt will sich künftig verstärkt um konzeptionelle Impulse und Initialzündungen bemühen. Das soll nicht das baupraktisch-handwerkliche Geschäft ersetzen oder verlagern, sondern die strategischen Handlungspositionen erweitern helfen. Angekündigt wurde diese Kursneuorientierung bei der Jahreshauptversammlung vergangene Woche im Stadthaus.

Freudenstadt. Wie dieses konzeptionell akzentuiertere Vorgehen praktisch wirksam werden kann, wurde gleich unmittelbar nach der Mitgliederversammlung am Abend deutlich. Dort stellte nämlich vor einem größeren Zuhörerkreis die Geografin und Stadtplanerin Regine Guglielmo auf Einladung des Denkmalvereins einige spannende Erkenntnisse aus ihren stadträumlichen Untersuchungen über das alte Freudenstädter Kurviertel vor.

Guglielmos Magisterarbeit entwirft Entwicklungs-Szenarios für die leerstehenden alten Kurhotels (Haus Salem, ehem. Hotel Waldlust) und die brachliegenden historischen Parks und Freiflächen am Fuße des Kienbergs. Unter dem Motto "Wertschätzung von Baukultur" wird ein Zielkatalog präsentiert, wie das bauliche Erbe der Stadt wirtschaftlich, kulturell und touristisch wieder-erschlossen, sprich revitalisiert werden kann - ein zentrales Aufgabenfeld auch der ehrenamtlichen Denkmalschutzarbeit in Freudenstadt. Dieses kam in der Vergangenheit etwas zu kurz.

Diese Woche hat der Denkmalverein außerdem eine Denkschrift zum Planungsvorgehen für das neukonzipierte Kongresshotel am am Kur- und Kongresszentrum heraus gegeben. Darin wird u.a. ein Architektenwettbewerb gefordert und auf die Einsetzung eines Gestaltungsbeirats aus Fachplanern und erfahrenen Bürgern gepocht (die SÜDWEST PRESSE berichtete hierüber gleichermaßen).

Die beiden Beispiele zeigen, dass dem Verein für Kulturdenkmale diese neue Schiene der Vereinsarbeit ein konkretes Anliegen ist. Auch personell wurde die Betonung der strategischen Zielarbeit bei der Versammlung verankert.

Im Zuge der Vorstandsneuwahlen wurden als weitere Beiräte der Stadtplaner Nils Krieger und der Architekt und Energieeffizienz-Experte Stefan Niesner in den Vorstand gewählt. Wieder ins Amt zurück gekehrt ist auch Schriftführerin Susanne Krutinat.

Starke Nachfrage nach Waldlust-Foto-Touren

In seinem Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr berichtete Vorsitzender Siegfried Schmidt über diverse Aktivitäten in Zusammenhang mit den beiden Haupt-Objekten, die der Verein betreut: Hotel Waldlust und Rappen-Pavillon. Für die Waldlust wurde eine starke Nachfrage nach künstlerischen Fotografie-Explorationen sowie nach Werbeaufnahmen verzeichnet.

Zu den Denkmal-Nutzungen 2014 gehörten außerdem Veranstaltungen wie der "Kunst- und Musiksalon" und eine Adventsfeier. Baden-Württembergs ehemaliger Spitzenbeamter in Sachen Denkmalschutz, Ex-Staatssekretär Ingo Rust, war ebenfalls Gast im alten Grandhotel und wurde dabei über dessen Erhaltungswürdigkeit, aber auch die besonderen bautechnischen Probleme informiert.

Beim Rappen-Pavillon, der anlässlich des letzten Tags des offenen Denkmals als Kaffeehaus und Info-Punkt geöffnet war, mahnte der Vorsitzende bauliche Verbesserungen an. Die Denkmalsubstanz und das Denkmalbild hätten in letzter Zeit gelitten, dabei wäre Handlungsbedarf hinsichtlich Dach, Mauerwerk, Holzteile dringend geboten. Ohne Reparatur- und Verschönerungsarbeiten werde der Baukörper unter fortgesetzten Verschleiß geraten. Deshalb müssten die Denkmalschützer hier jetzt aktiv etwas unternehmen.

Der Vorsitzende streifte weitere Maßnahmen, wie den Kauf eines Rasentraktors für die Wiesenflächenpflege, die Veräußerung der Besitzanteile am Platzmeisterhaus, nachdem der Vereinszweck dort erfüllt ist und die Notdächer-Aktion zur Feuchteabwehr im Denkmal-Hotel Waldlust.

Erwähnt wurde, dass eine Nachfahrin der Laufer-Dynastie (ehem. Hotel Rappen) im Verein eine Familienchronik erstellt und dass ein freiwilliger Blitz-Schneeräumeinsatz durch die Firma Schuler (Dietersweiler) ein großes Anfahrtshemmnis auf der stark verschneiten Waldlust-Zufahrt beseitigen half. Von Mitgliederseite wurde gefragt, was denn mit der Rußhütte - sie war Gründungsanlass für den Verein - geschehen soll, ob dann dafür keine Nutzung akut ist?

Der Denkmalverein erstellt momentan gerade einen neuen, aktuellen Vereinsflyer und will auch seinen Internetauftritt überarbeiten und informativ anreichern. Auch ein Newsletter soll künftig Mitgliedern und Interessierten die Aktionsfelder aufdecken und damit eine erhöhte Mitwirkungsbereitschaft generieren. Finanziell sieht sich der Verein solide aufgestellt. Kassiererin Barbara Nübel berichtete von einem guten Polster, das vor allem durch den Anteile-Verkauf am Platzmeisterhaus aufgestockt werden konnte.

Auswahlthemen zum Tag des offenen Denkmals 2015

Zu den Planungen 2015 des Denkmalvereins gehören die ab April wieder beginnenden Führungen an und im Hotel Waldlust, eventuell auch in zwei-wöchentlichem Turnus, ferner schon angemeldete Sonderführungen im Hoteldenkmal.

Außerdem wird dort im Juni ein Empfang von Jungunternehmern und ein Filmabend, begleitet von einer kleinen Handwerks-Messe mit den Themenschwerpunkten regenerative Energien, energetische Sanierung stattfinden.

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, ist beim Denkmalverein planerisch noch nicht entschieden. Mehrere Vorschläge und Überlegungen wurden bei der Hauptversammlung in Betracht gezogen. Die alten Waldlust-Hangstollen wären eine besondere Besucher-Attraktion, doch der Zugang ist wegen der Fledermaus-Schutzvorkehrungen schwer zu erlangen.

Eine weiteres Anziehungsobjekt gäbe die ehemalige Zwitscherstube im Hotel Waldlust ab. Allerdings bedürfte es dafür eines umfangreichen Räum- und Sanierungseinsatzes. Ein weiterer Vorschlag beinhaltet Denkmal-Führungen ab der Waldlust in das umgebende historische Kurviertel und in die Landschaftsparks mit ihren besonderen Gestaltungselementen.

Auch dafür sind einige landschaftspflegerische und gartengestalterische Anstrengungen zu leisten.

In naher Frist muss sich der Denkmalverein eine Entscheidung abringen, wie und was er gerne am öffentlichen Denkmaltag - Themenspektrum heuer: "Handwerk, Industrie, Technik" - präsentieren will.

Text: Neckar-Chronik vom 21.3.2015

 

21.03.2015
Neckar Chronik
Konzeptionell und zielvoller