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Die Bar im Hotel Waldlust

Die Gartenschau 2025 -- Ideen, Anregungen Denkmalverein

Der Denkmalverein Freudenstadt sieht in dem Gartenschau-Projekt Freudenstadt/Baiersbronn ein enormes Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungs-Potenzial schlummern. Aufgrund der flächenhaften Ausdehnung entlang der Entstehungsachse Christophstal/Friedrichstal und der Hereinnahme eines ganzen Bündels an räumlichen, geografischen, sozioökonomischen wie vor allem auch stadthistorischen Strukturen und Bezügen entfaltet das Projekt ein einmaliges Chancen-Cluster, um z.B. historische und infrastrukturelle Brachen wieder zum Leben zu erwecken und – hier aus Sicht des Vereins für Kulturdenkmale – bedeutende Architektur-Standorte, technisches Kulturerbe und auch stadtbildrelevante kleinräumige „Idyllen“ wieder in den Blick zu nehmen und im Sinne einer Bewahrungs-Philosophie in Wert zu setzen.   Für die Stadtentwicklung Freudenstadts dürfte die Gartenschau Leitbildcharakter haben. Nicht nur im Sinne einer Stadtentwicklungsidee unter der Wahrung und Pflege des kulturelles Erbes, sondern auch in prozesshafter Hinsicht, die Bürgerbeteiligungsmodelle und kulturwissenschaftliche Untersuchungen und Befunde mit einschließt.   Im Hinblick auf die konkrete Ausarbeitung und Ausformulierung des Masterplans „Gartenschau 2025“ möchte der Denkmalverein Freudenstadt folgende Anregungen geben:   Allgemeine Stichpunkte   §  Unser besonderes Anliegen ist die Findung eines geeigneten Standorts auf Dauer für die historische Rußhütte. Dieses Kulturdenkmal kann wegen des geplanten Stadttunnels am jetzigen Standort nicht verbleiben und sollte deshalb rückgebaut und transloziert werden. Eventuell dürfte sich das ehemalige Industriegelände der Fa. Bürkle als Aufnahme-Standort für die Rußhütte eignen. Der wiedererrichtete Sandsteinbau sollte den Gartenschaubesuchern natürlich seinen einstigen frühindustriellen Produktionszweck  „erzählen“, das Bauwerk kann aber selbstverständlich auch weitere Funktionen behausen.   §  Das historische Kurviertel Freudenstadts mit seinen Gründerzeit-Villen und den pittoresken Kurhäusern und Grandhotels, hier der „Palmenwald“ und vornehmlich auch die „Waldlust“, liegt dem Denkmalverein aufgrund seiner langjährig unternommenen Erhaltungspraxis für das Belle Epoque-Baujuwel Waldlust mit angrenzendem Hotelpark besonders am Herzen. Wir schlagen vor, dieses Kurviertel wegen seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung und seiner sehenswürdigen „Stadtgestalt“ zu einem herausragenden „Nebenschauplatz“ der Gartenschaukulisse zu erklären, auszubauen und zu vermarkten. Insbesondere könnten Teile der historischen Hotelgärten, welche die Kurhäuser Palmenwald, Salem und Waldlust einst umgaben und ausschmückten, als „Satelliten“, als Sonderzonen randständig in das Gartenschauprogramm aufgenommen werden. Die Hotelgärten deshalb, weil sie sozusagen wesenhaft, vom Anlagenbild her,  einer Gartenschau gleichen. Anhand dieser aktuell großenteils leider noch verwilderten Hotelparks könnte eine authentische gründerzeitliche Kuroase anschaulich und sinnlich erlebbar gemacht werden. Die Verbindung von denkmalhistorischem Bauwerk mit dem besonderen Typus einer Hangparkzone, wie sie die drei wie ein Triptychon vereinten Parks hinter den Häusern Waldlust, Salem, Palmenwald bilden, dürfte dank auch der beeindruckenden Panorama-Aussichtslage große Sogkraft entwickeln.  An keinem anderen zentralen Punkt sonst könnte das geniale Parkwald-Konzept Freudenstadts, das für die Kurstadt-Genese ein entscheidender Motor war, in eindrücklicher Weise und lehrbuchhaft zur Ansicht gebracht werden.  Ein Alleinstellungsmerkmal steht hier zu vermuten, das als dauerhaft nutzbare Einrichtung touristisch hohe Attraktivität auch weit über den Zeitraum der Gartenschau hinaus entfalten dürfte. Der Denkmalverein Freudenstadt bietet für eine solche Zielprojektion „Historische Hotelgärten/Parkwald Freudenstadt“ und deren Umsetzung seine Unterstützung und Mithilfe ausdrücklich an.   Einzelne Gartenschau-Stationen mit „Denkmalkraft“   §  Die Adlersteige als historische Verbindung zwischen Oberstadt und Tal sollte in ihrem ursprünglichen baulichen Charakter restauriert und originalgetreu wiederhergestellt werden. Entscheidend dafür sind die Freilegung und Sanierung des alten Buntsandstein-Pflasters auf dem gesamten Querschnitt des Hangsträßchens sowie die Wiederaufführung der seitlich postierten Straßensteine mitsamt der darüber liegenden markanten Eisenrohr-Reling. Die Adlersteige könnte damit zum musealen Anschauungsobjekt einer früheren, nur noch selten gegenwärtigen Straßenbauweise werden.   §  Der ehemaligen Tuchfabrik Hoyler gebührt der Rang einer Zentralstätte der Gartenschau 2025. Kein anderes Gebäude im Christophstal, auch nicht das malerische Bärenschlössle, besitzt derartige optische Dominanz und eine so bestechende Identifikations- und Aussagekraft wie dieses vielfältige alte Industrieanwesen. Landschafts-bildnerisch und architektonisch kommt diesem Ensemble aus Bauhaus-konformem Hauptbau, flankierenden Verwaltungs- und Wohnbauten sowie Kesselhaus und wassertechnischen Einrichtungen eine immens hohe Bedeutung bei.   Der Denkmalverein Freudenstadt bittet eingedenk dessen und auch wohlwissend, dass es sich um einen Privatbesitz handelt, die Stadt, alle verfügbaren rechtlichen und fiskalischen Mittel für den Gesamterhalt der Anlage einzusetzen. Die Sanierung und Wiederbelebung des noch vorhandenen Ensembles als einem wichtigen Baustein der Gartenschau sollte zu einem erstrangigen Ziel erkoren werden. Eins, das auch nachhaltig und langfristig die Belebung des Tals befördern kann und das für verschiedene Nutzungsformen bestens geeignet scheint. Von einer Galerie für Kunsthandwerker, einem Schickhardt-Technik-Museum bis hin zu einem Innovationszentrum für Start-up-Unternehmen. Der mit Notsicherungsmaßnahmen an Denkmalen nicht ganz unerfahrene Denkmalverein weist aus akutem Anlass darauf hin, dass am Anwesen Hoyler einzelne Shed-Dächer über Werkstatt-Bauten abgegangen sind und dass eine größere Schadstelle/Dachöffnung in einem Satteldachaufbau eines Nebengebäudes weitere Ruin-Gefahren mit zwangweise folgendem Abriss des Teilgebäudes heraufbeschwört. Dieser schädlichen Entwicklung sollte mit Blick auf das Gartenschau-Ziel schnellstmöglich Einhalt geboten werden. Auch unter Rückgriff auf öffentliche Mittel, wenn denn das Problem nicht anders gelöst werden kann.   §  Das Platzmeisterhaus mit Gartenanlage sowie dem angrenzenden Back- und Waschhaus samt Hangkeller. Hierzu verweisen wir auf die Ideenskizze der GbR Platzmeisterhaus im Christophstal, die als Beitrag im Rahmen der Bürgerumfrage zur Gartenschau (November 2018) vorliegt und einen Konzeptentwurf für ein ansatzweises Landschaftsmuseum „Unterer Pfannenhammer“ enthält.   Text + Konzeptbausteine: Siegfried Schmidt, 30.11.2018 Grundidee: Nils Krieger