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Hausser-Hütte
Eine schon etwas in die Jahre gekommene alte Waldhütte ohne derzeitige (wald-)wirtschaftliche Funktion als Schutzgut erkennen und annehmen? Ja. Sicher.
Der Denkmalverein Freudenstadt machte sich im Jahr 2021 zu einer Hütten-Erhaltungs-Mission auf. Eine Initiative, die sich wohlgemerkt nun gerade nicht einem eingetragenen Kulturdenkmal widmet. Eine, die auch abseits des Siedlungskerns ansetzt und die einen scheinbar verzichtbaren Profanbau vor dem Verschwinden bewahren will.
Die nach einem Forstmeister benannte Hausser-Hütte, zentral am Kreuzpunkt von Wanderwegen im Parkwald Freudenstadt gelegen, stand auf der „Roten Liste“ der abzubauenden Wald- und Rasthütten im Forstbezirk Freudenstadt. Ihren früheren Zweck als Waldarbeiter-Schutzhütte hatte sie längst überlebt. Als nicht mehr benötigte Erblast sollte sie deshalb weichen. Dies im Rahmen des gezielt von der Stadt angegangenen Kosteneinsparungsprogramms bei den Forsthütten. Die Kosten für eine dauerhafte Unterhaltung der Hütte wollte man sich sparen.
Ein Glück nur, dass die Stadtverwaltung und der Forst die Hausser-Hütte nicht gleich schleiften. Die hölzerne Waldeinrichtung wurde stattdessen zum Verkauf und zum Selbstabbau am freien Markt anboten. Es war dies die Stunde der Denkmalschützer, ein bisher aus baukultureller Sicht eher unbeachtetes Objekt anzuwerben und damit seinen Erhalt anzustreben.
Die „Parkwald-Hütte“, wie wir sie anfangs nannten, repräsentiert bei näherem Hinsehen ein ausdrucksvolles Anschauungsbeispiel für kurstädtische Waldeinrichtungen im Freudenstädter Stadtwald. Für solche Hüttenbauten finden sich – auch heute noch - zahlreiche weitere Standort-Beispiele, gerade auch in der näheren Umgebung der Hausser-Hütte. So die Logentannenhütte, die Wildhütte oder die prominente Goldkugel-Hütte am Alten Waldfestplatz.
### EINSCHUB AUS AKTUELLEM ANLASS ###
Nun also dampft der Kohlenmeiler



Freudenstadt. Am 26. Juli 2026 setzte Köhler Thomas Faißt seinen in vielen Arbeitsgängen sorgsam aufgeschichteten Kohlenmeiler in Betrieb. Der rußige, von Kohlelösche umgebene Hügel wurde am Scheitelpunkt angezündet. Und eine ganze Schar Waldbesucher war herbei gewandert oder geradelt, um bei dem Premieren-Ereignis im Stadtwald Freudenstadt dabei zu sein. Der Meiler auf der Lichtung der alten Hausser-Hütte, etwa 10 Gehminuten vom Kienberg entfernt, ist Freudenstadts erster Meiler neuerer Zeit zur traditionellen Holzkohleerzeugung. Hintergrund sind Überlegungen des Denkmalvereins, die einstige Försterhütte, zwischenzeitlich in ehrenamtlicher Mission aufwändig saniert, mit einem passenden Kulturprogramm aufzuwerten. Und dieses bauliche Erbe des "Parkwaldes Freudenstadt" ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Sechs Tonnen Buchenholz hat Köhler Faißt allein und mit Helfern zusammen auf seiner Kohlplatte aufgeschichtet, mit Schnittgras umschlossen und dann noch einen luftdichten Helm aus schaufelweise alter Asche und Ruß darum geplättet. Damit die Hitze im Meiler verbleibt und ein kontrollierter Abbrand im Innern vonstatten geht. Dem um den Meiler versammelten Publikum lieferte Köhler Thomas am Sonntag regen Anschauungsunterricht zu dieser Form der nicht ganz risikofreien Holzkohlegewinnung. "Die ersten zweieinhalb Tage sind die spannendsten!" erklärte er. Man wisse nicht immer genau, was auf einen zukomme. Denn der Brennvorgang im geschützten und nicht einsehbaren Meilerkern muss feinjustiert werden. Er darf vor allem nicht "einseitig" oder zu volllastig ausfallen. Deshalb sind stete Beobachtung der aufsteigenden Dampfsäule oder der wabernden Gase am Fuße des Meilers sowie Eingriffe wie das Stechen von "Pfeifen", also von Zuluftkanälen, vonnöten. Spannung liegt auch deshalb in der Luft, weil sich Holzgase im Innern ansammeln können, mit der Gefahr einer Verpuffung und dramatischen Folgen für den Kohleverwandlungsprozess. Faißt wird sich die komplette Woche dem Meiler widmen, und er erlebt dabei, wie er sagt, auch selbst eine mitunter "zehrende Verwandlung". "Gut Brand" riefen ihm die Freudenstädter zu - der Losungswunsch der Köhler.
Köhler und Waldexperte Thomas Faißt auf dem eben erst entzündeten Kohlenmeiler an der Freudenstädter Hausser-Hütte im Stadtwald. Die Flammen züngeln aus dem Feuerschacht. Der Köhler muss nun 6 Tage lang den Brennvorgang penibel steuern und kontrollieren.
###ENDE DES EINSCHUBS ###
Die Hausser-Hütte hat im Reigen der Waldhütten dank ihrer Ausmaße, ihrer Ausbauart, ihrer funktionellen Beschaffenheit (ausgebauter Aufenthaltsraum, Ofenstelle) sowie aufgrund ihrer soliden handwerklichen Ausführung und der personengeschichtlichen wie verkehrlichen Bedeutung im Wanderwegenetz des stadtnahen Erholungswalds eine, wie wir meinen, hervorragende Stellung und Aussagekraft bewahrt.
Damit ist die Hütte nicht nur für den dauerhaften Erhalt prädestiniert, sie eignet sich unserer Ansicht nach auch exzellent für neue Zwecksetzungen und Funktionsweisen: Zur Information, Anschauung und Orientierung. Und nicht zuletzt auch für einen eingeschränkten, gelegentlichen Veranstaltungsbetrieb im Rahmen der geltenden Waldordnung.
Wir, der Denkmalverein Freudenstadt, wollen die Hausser-Hütte vornehmlich der „ausstellenden“ Information für Waldbesucher zueignen. Einerseits als exemplarisches Beispiel einer Schutz- und Waldhütte im Stadtforst, andererseits aber auch als Destination einer früheren Waldliegeplatzes. Die Hütte soll die historisch außergewöhnliche Parkwald-Idee aus früheren Freudenstädter Kurstadt-Zeiten veranschaulichen helfen und diese Geschichte für Außenstehende fassbar machen.
Etwa mittels Schautafeln in einem kleinen Ausstellungs-Parcours auf dem Findlinge-Platz unmittelbar neben der Hütte. Von der Parkwald-Hütte aus ließe sich auch eine „Parkwald-Promenade“ zu anderen, thematisch verwandten Wald-„Besonderheiten“, historischen Orten und Relikten anlegen.
Für die erweiterte Funktionsstellung der Hausser-Parkwaldhütte wird ein eigens gestalteter Umgebungsraum auf dem zirka 11 x 15 Meter großen Findlings-Platz benötigt. Ausgelegt als einfach gehaltener Rast- und Aufenthaltsbereich mit wenigen Bänken, Sitzsteinen und gewundenen Pfadformen zwischen waldtypischen Niedersträuchern und kleinwüchsigen Tännchen.
Die Ausbauweise beschränkt sich dabei auf reine Naturmaterialien wie Sandsteine, Rotsand-Wegeinstreu, Holz. Die Bauart einiger Zaunabschnitte des offenen „Waldgartens“ soll an historische Vorbilder (Knüppel- bzw. Knotenstock-Zäune) in Freudenstadt erinnern.
Die Unterhaltung der Hütte, die dringliche Dachsanierung, die Platzpflege und die laufende Platz-Unterhaltung fallen zur Gänze in die Pflicht und finanzielle Verantwortung des Vereins für Kulturdenkmale Freudenstadt.
Die Parkwald-Hütte bleibt damit in allererster Linie ein reines Wanderziel, ein nahtouristischer Anlaufpunkt. In Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung Freudenstadt streben wir einmal jährlich die Ausrichtung eines „Wald-Kultur-Tags“ in und um die Parkwald-Hütte für die allgemeine Öffentlichkeit an.